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Schwarz + Schwarz = 240

27 Sep 2007

 26. September 2007
Ein Hinterhof, eine halbdunkle Höhle. Aus Kisten ragen Holzwolle und Eisenteile heraus, Werkzeug liegt herum im trüben Licht, es müsste mal gefegt werden. An der Wand das Oktober-Blatt des Pirelli-Kalenders von 1994 (Kate Moss am Strand), gewellt und leicht eingerissen, aber zu schade zum Wegwerfen. Auf der Fensterbank mit den blinden Scheiben stehen leere Flaschen Flens. Manchmal kommen Tätowierte mit tiefen Stimmen herein, die in knappen Sätzen mit dem Chef sprechen, der zugleich sein einziger Mitarbeiter ist. Sein langes, schütteres Haar könnte einen Ölwechsel vertragen, sein Gesicht ist bleich, aber seine Hände haben die Fähigkeiten des begnadeten Schraubers, der weiß, wie man Kraftfahrzeug-Zulassungsbehörden hinters Licht führt.

Night

So stellt man sich die Herkunft dieses Motorrads vor. Es hat den Hauch des illegalen Umbaus, eine Ausstrahlung, die alles Bürgerliche pauschal als schwächlich verachtet, sein erklärtes Ziel ist es, böse auszusehen. Genaugenommen sieht es nicht böse aus, sondern so, wie talentierte Designer sich das Böse ausmalen. Ein bisschen zu perfekt für richtig fies Tätowierte. Aber es reicht allemal, dass wir alle, die wir doch eigentlich ganz normal und nett sind, uns darauf ziemlich verwegen fühlen. Bemerkenswert, dass es so was ganz serienmäßig zu kaufen gibt.

Der schwarze Tieflader

 

Für 18.345 Euro, bei Harley-Davidson. Das ist teuer, stimmt, aber man muss zum Beispiel bedenken, wie viel Gummi allein für die monumentale, 240 Millimeter breite Hinterradwalze gebraucht wird. Es sollte noch ein bisschen Geld übrig sein für angemessene (schwarze) Bekleidung. Wer nicht so stilsicher auftritt wie die Maschine, macht sich angreifbar für Sprüche. Man sitzt voll im Rampenlicht und fühlt sich wie auf einer Bühne, die hohe Ansprüche an den Schauspieler stellt. Schwarz ist die alles dominierende Farbe der VRSCDX Night Rod Special. Mattschwarz mit Glanzschwarz hier, Glanzschwarz mit Mattschwarz dort. Das Zifferblatt des Tachos ist in einem einzigartigen grauen Hellschwarz gehalten. Das wenige, was nicht schwarz ist, ist silberfarben. Oder orange: der dezente Markenschriftzug sowie die Zierstreifen auf den schwarzen, geschlitzten Scheibenrädern (vorn 19, hinten 18 Zoll), von denen das hintere jenes Gummi trägt, welches das breiteste ist, das die Motor Company jemals verbaut hat.

 

Der Rest der Night Rod Special ist schlank, lang und niedrig. Ganze 640 Millimeter über dem Normalnull der Fahrbahnoberfläche schwebt das Gesäß in einer Kuhle. 1,72 Meter Radstand (rund 20 Zentimeter mehr als bei einer Harley Sportster), 2,46 Meter Gesamtlänge, 36 Grad Gabelwinkel, 307 Kilo Leergewicht - so etwas fährt sich besonders gut geradeaus. Vor Beginn einer Kurve tritt man in Verhandlung mit der Harley, sie nörgelt, ob das denn schon wieder sein müsse, dann würgt man sie herum über ihre hintere Walze, die das stolze Format 240 hat, falls wir das noch nicht erwähnt hatten. Die Night Rod seufzt, hämmert den Bogen entlang wie Kirk, der einem Meteoritenschwarm ausweicht, und schlägt sobald wie möglich wieder den geraden Weg ein. Schon leichte Wellen im Asphalt bringen alles ins Wanken. Bremsen, schalten, Linie halten - endlich mal eine Aufgabe. Die Harley-Nachtausgabe fährt sich wie ein Tieflader, jedenfalls im Vergleich zu einem normalen japanischen Sportmotorrad - und ist gerade deshalb eines der faszinierendsten Motorräder, das man aus dem Laden weg kaufen kann.

 

Hanteltraining ist zu empfehlen!

 

Wenn im Black Forest ein Kurvenjäger mit seiner vollverschalten 600er-Kreissäge innen vorbeisticht, so lässt einen das kalt. An diesem grabesdunklen Fahrstuhl perlt alles ab, man schaltet morgens nach dem Frühstück in den fünften Gang hoch und wummert mit gut 3.000 Kurbelwellenumdrehungen in der Minute bei Tempo 90 bis 100 dem Abend entgegen. Wenn man zwischendurch mal zwei, drei Gänge runterschaltet und den Gashahn aufzieht, geschieht Ungeheuerliches. Dann reißt das drehfreudige, wassergekühlte, 89 kW (121 PS bei 8250/min) starke „Revolution“- Triebwerk an, dass es einem die Finger am Lenker ausrenkt, mit grobschlächtigem Ballern und scharfem Bellen aus dem Ansaugtrakt, das unter die Haut kriecht. Dann geht es dem Hinterreifen, der mit 240 Millimeter übrigens sehr breit ist, ans Profil. Die Sitzposition - Oberkörper sportlich nach vorn, die Arme zum Lenker gereckt, die Stiefel auf den vorverlegten Rasten - entspricht der Haltung eines beidhändig schießenden Gangsters, der mit den Füßen voraus in Deckung springt.

 

Mit der Night Rod Special erlebt man täglich das ganze Geschick der Marketing- und Lebensgefühl-Strategen aus Milwaukee. Frappierend, welche Neugierde und ungenierte Bewunderung dem düsteren Brocken überall entgegengebracht werden. Eine solche Maschine entzieht sich nüchterner Betrachtung. Aber wir wollen dennoch festhalten: Das Lastwechselverhalten des 60-Grad-V-Motors im Zusammenspiel mit dem Zahnriemen zählt zum angenehmsten im Motorradbau überhaupt. Seidig weich entfaltet der 1131 Kubikzentimeter große Zweizylinder mit elektronischer Einspritzung, zwei obenliegenden Nockenwellen und Vierventiltechnik seine Kraft. Bei 7.000/min liegt ein Drehmoment von 108 Nm an. Die Höchstgeschwindigkeit wird mit 225 km/h angegeben. 120 bis 130 ist eine gute Autobahngeschwindigkeit, alles Weitere behält man sich für Ausnahmefälle vor, aber nur nach vorherigem Hanteltraining. Unser Durchschnittsverbrauch pendelte um sechs Liter Super auf 100 Kilometer.

 

Nicht so leicht zu bändigen

 

Beim Schalten klonkt es schwermetallisch in den ersten beiden Stufen des Fünfganggetriebes, das muss so sein. Die Hupe hört man noch hinterm Horizont. Die Scheibenbremsen arbeiten kraftvoll, bei Bedarf wird der Powercruiser heftig zusammengestaucht. Ein ABS kann zur Saison 2008 gegen Aufpreis bestellt werden. Schon jetzt serienmäßig sind automatische Blinkerabschaltung und schlüssellose Wegfahrsperre. Dass man aus Versehen mit ausgeklapptem Seitenständer losfahren kann, ist schlecht, das soll im Zuge der Modellpflege für 2008 geändert werden. Der V-Twin wird auf 1246 Kubikzentimeter vergrößert, in der Nennleistung auf 92 kW (125 PS) gesteigert und mit einer Slipper-Kupplung ausgestattet.

 

Die Zuladung von 157 Kilogramm ist dürftig, es gibt Harley-Fahrer, die das ganz für sich allein benötigen. Mit dem Tankinhalt von knapp 19 Liter indes kann man auskommen. Zum Rangieren macht man sich einen Plan und geht mit Umsicht vor. Der Wendekreis ist riesig. Und die Schräglagenfreiheit gering. Die Night Rod Special setzt hart mit Fußrastenanlage und auch dem Kühlergehäuse auf, wenn man sie zu ungestüm zur Seite klappt, was uns Schmauchspuren an der Hose und unrühmliche Kratzer an Spiegel, Kupplungshebel und Fußraste einbrachte. Wechseln wir schnell das Thema.

 

Der sagenhafte Hinterreifen! Leider ist der Platz für den Artikel schon fast voll. Über diesen Pneu muss unbedingt noch etwas gesagt werden, er ist satte 240 Millime...

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