Zulassungszahlen 2025 mit Rückgang bei allen Herstellern, doch Südeuropa zeigt ein völlig anderes Bild
Warum der Rückgang von 35 Prozent bei den Neuzulassungen alle Hersteller betrifft und Südeuropa gleichzeitig ein völlig anderes Bild zeigt
Die Zulassungszahlen für 2025 liegen vor. Der Motorradmarkt Deutschland 2025 verzeichnet einen Rückgang von 246.870 auf 158.944 Neuzulassungen, ein Minus von 35,6 Prozent. Für Harley-Davidson stehen 3.656 Einheiten in der Statistik, gegenüber 8.706 im Vorjahr. Das sind Zahlen, die auf den ersten Blick irritieren. Auf den zweiten Blick erzählen sie jedoch eine andere Geschichte.
Warum 2025 kein normales Marktjahr gewesen ist
Zum 1. Januar 2025 trat die verschärfte Abgasnorm Euro 5+ in Kraft. Motorräder ohne diese Zertifizierung durften danach nicht mehr neu zugelassen werden. Die gesamte Branche hat in den letzten Monaten 2024 ihre Lagerbestände durch Tageszulassungen und Sonderaktionen abgebaut. Das hat Käufe, die eigentlich 2025 stattgefunden hätten, ins Vorjahr vorgezogen.
Die offiziellen Zulassungsdaten für Motorräder ab 601 Kubikzentimeter in Deutschland belegen das eindrucksvoll. Im vierten Quartal 2023 wurden insgesamt 10.440 Motorräder zugelassen, verteilt auf 5.586 im Oktober, 2.890 im November und 1.964 im Dezember. Ein normales Saisonende. Im vierten Quartal 2024 explodierten die Zahlen auf 28.893 Einheiten. Oktober lag bei 6.776, November bei 8.959 und der Dezember 2024 erreichte mit 13.158 Neuzulassungen einen historischen Ausreißer.
Das ist fast das Siebenfache eines normalen Dezember. Allein im letzten Quartal 2024 wurden damit rund 18.500 Motorräder mehr zugelassen als im Vorjahreszeitraum. Das sind genau die Fahrzeuge, die 2025 in der Statistik fehlen. Das vierte Quartal 2025 bestätigt die Normalisierung mit 4.359 im Oktober, 2.388 im November und 1.814 im Dezember, insgesamt 8.561 Einheiten und damit deutlich unter dem Q4-Niveau von 2023.

Dieser Vorzieheffekt betrifft ausnahmslos alle Hersteller. Honda als Marktführer gab 14,3 Prozent ab. BMW Motorrad lag bei minus 26,7 Prozent, Yamaha bei minus 33,9 Prozent. KTM verzeichnete durch die Insolvenz einen Sondereffekt von minus 78,5 Prozent, Suzuki minus 68,3 Prozent. Der Rückgang bei Harley-Davidson ist in diesem Kontext zu sehen und nicht isoliert zu bewerten.
Wer die Harley-Davidson Zulassungen 2024 mit plus 19,9 Prozent als Erfolg gefeiert hat, muss fairerweise die 2025er Zahlen als Kehrseite desselben Effekts lesen. Die Händler haben Ende 2024 eine erhebliche Menge an Fahrzeugen durch Tageszulassungen in den Markt gebracht. Der Dezember 2024 mit 13.158 Motorrad-Neuzulassungen über 601 Kubik zeigt das Ausmaß dieses Abverkaufs deutlicher als jede Analyse. Rechnet man beide Jahre zusammen und bildet den Schnitt, ergibt sich ein deutlich differenzierteres Bild als die isolierte Jahresbetrachtung.
Ein deutsches Problem, kein Markenproblem
Neben dem Euro-5-Effekt offenbart der Rückgang etwas Grundsätzlicheres. Deutschland hat ein Standortproblem, das weit über den Motorradmarkt hinausreicht. Die Kaufkraft stagniert, die Finanzierungskosten sind hoch, die Konsumstimmung bei Freizeitausgaben ist gedrückt. Das betrifft nicht nur Motorräder, sondern den gesamten Premiummarkt.
Parallel hat die Diskussion um mögliche Strafzölle der EU auf US-Motorräder im Frühjahr 2025 zu einer spürbaren Kaufzurückhaltung geführt. Kunden, die ein Premiumprodukt ab 16.000 Euro aufwärts finanzieren, reagieren empfindlich auf Unsicherheiten bei der künftigen Preisgestaltung. Dass diese Zölle am Ende alle US-Motorräder betreffen, auch solche aus der thailändischen Fertigung, hat die Verunsicherung zusätzlich verstärkt.
Der Rückgang der Zulassungszahlen ist also weniger ein Signal für nachlassendes Interesse an der Marke als vielmehr ein Spiegelbild der deutschen Wirtschaftslage. Das wird besonders deutlich, wenn man den Blick über die Landesgrenzen richtet.
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Der Blick nach Südeuropa zeigt ein anderes Bild
Wer den deutschen Markt als alleinigen Maßstab nimmt, übersieht eine interessante Entwicklung. In Südeuropa und Frankreich verläuft die Marktentwicklung für Harley-Davidson deutlich positiver.
Italien verzeichnete 2024 einen historischen Rekord bei den Motorradzulassungen. Erstmals seit Beginn der Aufzeichnungen im Jahr 1957 wurden mehr als 166.000 Motorräder neu zugelassen, ein Plus von 14,5 Prozent. Harley-Davidson legte dort mit 4.060 Einheiten um 731 Stück gegenüber dem Vorjahr zu.

Wer in den letzten beiden Jahren auf der HOG Rally in Senigallia oder beim Event in Saint-Tropez unterwegs war, hat das mit eigenen Augen gesehen. Auffallend viele Fahrer aus Italien, Frankreich und Spanien waren dort auf aktuellen Modellen unterwegs, darunter auch die hochpreisigen CVO-Varianten. Die Bereitschaft, in neue Motorräder zu investieren, scheint in Südeuropa und Frankreich höher zu sein als im deutschsprachigen Raum.
Gleiche EU-Regeln, unterschiedliche Realität auf der Straße
Ein Faktor, der in dieser Diskussion gerne übersehen wird, ist der Umgang mit EU-Vorschriften. Die Lärmschutzregeln für Motorräder gelten formal in allen EU-Ländern gleich. Aber wer einmal durch Italien gefahren ist, weiß, dass zwischen Vorschrift und Alltag ein erheblicher Unterschied besteht. In den südlichen Ländern herrscht eine grundsätzlich andere Haltung gegenüber Motorrädern. Es wird toleranter mit Lautstärke umgegangen, Aftermarket-Auspuffanlagen gehören zum Straßenbild, und Kontrollen finden so gut wie nicht statt.
In Deutschland dagegen wird streng durchgesetzt. Fehlende E-Kennung am Auspuff kann zur Stilllegung des Fahrzeugs führen, auf beliebten Motorradstrecken stehen regelmäßig Dezibel-Messgeräte bereit, und in Tirol sind Motorräder mit einem Standgeräusch über 95 Dezibel auf bestimmten Strecken komplett gesperrt. Wer eine Harley-Davidson kauft, will sie individualisieren, und dazu gehört für viele der Sound. In Südeuropa ist das kein Problem. In Deutschland ist es eines.
Auch die globalen Registrierungsdaten stützen dieses Bild. MotorCyclesData, die Zulassungen in 93 Ländern weltweit auswerten, berichteten für 2024 von einem globalen Plus von 1,8 Prozent bei Harley-Davidson. Während der US-Markt im Minus lag, zeigte Europa eine Erholung. Im ersten Quartal 2025 lag der Rückgang in der EMEA-Region bei lediglich 2 Prozent, während Nordamerika 24 Prozent verlor. Europa ist damit aktuell die stabilste Weltregion für die Marke.
Was Harley-Davidson in den Markt einbringt
Bei aller Diskussion um Zulassungszahlen lohnt ein Blick auf das Gesamtangebot. Harley-Davidson bietet seinen Kunden ein Komplettpaket, das in der Branche seinesgleichen sucht.
Die Modellpalette ist breiter aufgestellt als vielfach wahrgenommen. Neben den Touring-Modellen mit dem Milwaukee-Eight Motor stehen sämtliche Cruiser-Modelle am Markt. Die Street Bob, die Sport Glide oder die Fat Boy sind Motorräder, die bei ganz unterschiedlichen Fahrertypen ankommen. Auch bei Fahrerinnen sind gerade diese Modelle beliebt. Wer Chapter wie das Mainhatten Chapter oder die Biker Ladys kennt, weiß, dass Frauen hier längst einen aktiven Zugang zur Marke gefunden haben. Die Vorstellung, Harley-Davidson würde an weiblichen Kunden vorbeifahren, entspricht nicht der Realität in den Chaptern.
Dazu kommt ein handfester Anreiz. Die 2025er Modelle sind aktuell mit einem Preisvorteil von 1.903 Euro verfügbar. Die Pan America hat sich als ernstzunehmende Adventure-Alternative etabliert, die CVO-Modelle setzen weiterhin Maßstäbe bei Exklusivität und Verarbeitung. Das Zubehörprogramm, sowohl original als auch aus dem Aftermarket, macht die Individualisierungsmöglichkeiten praktisch grenzenlos.

Das Händlernetz in Deutschland ist flächendeckend aufgestellt. Finanzierung, Versicherung und Garantieverlängerung kommen aus einer Hand. Das H-D Certified Programm bietet für gebrauchte Motorräder einen professionellen Werkstattcheck mit einem Jahr Garantie. Und wer den Vertragshändler nicht braucht oder bewusst andere Wege gehen will, findet in Deutschland eine gewachsene Landschaft aus unabhängigen Custombike-Schmieden, freien Werkstätten und spezialisierten Schraubern, die sich seit Jahren ausschließlich auf die Marke konzentrieren. Von der Inspektion über den Umbau bis zum Komplettaufbau gibt es für Harley-Fahrer ein Netzwerk jenseits des offiziellen Händlernetzes, das in dieser Dichte bei kaum einer anderen Motorradmarke existiert.
Was Harley-Davidson aber wirklich von allen Wettbewerbern unterscheidet, ist die Community. Die Harley Owners Group, die Events rund um den Globus, von den Hamburg Harley Days über die European Bike Week bis zu den Chapter-Treffen. Kein anderer Motorradhersteller kann eine vergleichbare Gemeinschaft vorweisen. Die Bike Days Willingen, die 2026 erstmals als offizielles Harley-Davidson Germany Event stattfinden, sind ein weiterer Beleg für die Investition der Marke in ihre europäische Präsenz.
Was die Zahlen für die Branche bedeuten
Die Zulassungsstatistik für 2025 ist eine Momentaufnahme in einem außergewöhnlichen Marktjahr. Der Euro-5-Vorzieheffekt ist ein einmaliges Ereignis, das die Zahlen erheblich verzerrt. Er wird sich 2026 nicht wiederholen.
Warum der Gebrauchtmarkt gerade boomt
Die Suchanfragen nach gebrauchten Harley-Davidson Modellen haben sich laut Google Trends seit 2020 mehr als verdoppelt. Modellspezifische Begriffe wie Street Glide oder Road Glide verzeichnen ebenfalls ein starkes Wachstum. Das hat konkrete Gründe.
Der Euro-5-Abverkauf Ende 2024 hat eine große Zahl an Tageszulassungen in den Markt gebracht. Das sind technisch aktuelle Motorräder, teilweise mit minimaler Laufleistung, die jetzt als Gebrauchtfahrzeuge verfügbar sind. Für Käufer, die nicht zwingend das neueste Modelljahr brauchen, ist das eine attraktive Einstiegsmöglichkeit in die Marke, häufig mit deutlichem Preisvorteil gegenüber einem Neufahrzeug.

Gleichzeitig drücken die hohen Neupreise im Premiumsegment und die gestiegenen Finanzierungskosten einen Teil der Nachfrage in den Gebrauchtmarkt. Das ist kein Zeichen von Schwäche, sondern ein gesundes Marktsignal. Wer eine gebrauchte Harley-Davidson sucht, hat sich bewusst für diese Marke entschieden. Die Nachfrage ist da, sie verteilt sich nur anders.
Ende Februar wird der Harleysite Marktplatz der steigenden Nachfrage Rechnung tragen und an den Start gehen. Damit entsteht eine zentrale Anlaufstelle für Käufer und Verkäufer innerhalb der größten deutschsprachigen Harley-Davidson Community. Mehr dazu in Kürze.
Ausblick
Für die Händlerschaft bedeutet das aktuelle Marktumfeld eine vorübergehend schwierigere Ausgangslage, keine Frage. Aber die Lager sind gefüllt, die neuen Chapter-2-Modelle mit 13 völlig neuen Motorrädern auf einer neuen Plattform stehen vor der Einführung, und der Gebrauchtmarkt zeigt anhaltend starkes Interesse.
Entscheidend wird sein, wie sich die Zollsituation entwickelt, ob die wirtschaftliche Stimmung in Deutschland wieder anzieht und ob Chapter 2 die Erwartungen erfüllt. Die ersten internationalen Reaktionen auf die Präsentation waren vielversprechend. Und der Blick nach Südeuropa zeigt, dass die Nachfrage nach Harley-Davidson in Europa keineswegs nachlassen muss, wenn die Rahmenbedingungen stimmen. Der Motorradmarkt Deutschland 2025 war ein Ausnahmejahr. Nicht mehr und nicht weniger.
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